Infobüro für Unternehmen Aachen

Die deutsche Wirtschaft braucht die Digitale Souveränität

Dringende netzpolitische Aufgabe

Es war wie das Erwachen aus einem Dornröschenschlaf: Etwas mehr als zwei Jahre ist es her, dass Whistleblower Edward Snowden seine Enthüllungen über NSA, PRISM und Co. öffentlich gemacht hatte. Uns wurde schlagartig klar, wie hilflos wir der Willkür ausländischer Geheimdienste ausgesetzt sind. Die Privatsphäre im Web und kritische Unternehmensdaten, die vor den Augen Dritter geschützt sind, wurden zu Luftschlössern. Schnell kam eine ernüchternde Erkenntnis hinzu: Unsere Digitale Souveränität, das Recht und die Freiheit in der digitalen Welt selbstbestimmt Entscheidungen zu treffen, war verloren gegangen.

Doch wie zufrieden sind die deutsche Wirtschaft und Verwaltung heute mit dem Status quo unserer Digitalen Souveränität? Im Auftrag von LANCOM haben die Marktanalysten der techconsult im Mai 2015 mehr als 400 Fach- und Führungskräfte zur Digitalen Souveränität befragt. Mit eindeutigen Ergebnissen.

Digitale Souveränität ist eine der dringendsten netzpolitischen Aufgaben

Dass Deutschland und Europa von ausländischer Infrastruktur abhängig sind, meinen drei von vier Befragten und sehen darin offenbar eine echte Gefahr. Denn fast 83 % der Umfrageteilnehmer sehen die Stärkung der Digitalen Souveränität als eine der dringendsten netzpolitischen Aufgaben. Gleichzeitig macht sich Enttäuschung breit: So sind neun von zehn Befragten der Meinung, dass unsere Politiker noch keine Antwort darauf gefunden haben, wie sich die Digitale Souveränität Deutschlands und Europas stärken lässt.

Viel Übereinstimmung gibt es auch bei möglichen Maßnahmen zur Stärkung der Digitalen Souveränität: Verlässliche rechtliche Rahmenbedingungen (fast 85 % Zustimmung), eine konsequente Industriepolitik zur Stärkung der heimischen Industrie (rund 83 %), eine strategisch angelegte ITK-Innovationspolitik (rund 82 %) und das von der Politik abgelehnte Schengen-Routing (knapp 78 %). Ebenso werden Sicherheitsüberprüfungen von ausländischen IT-Produkten als geeignet angesehen, die Digitale Souveränität zu stärken (rund 82 % Zustimmung). Fast 84 % fordern zudem ganz klar, dass bei der Vergabe von öffentlichen Aufträgen Vertrauenswürdigkeitskriterien erfüllt werden müssten. 87 % wünschen sich mehr Alternativen in Kernbereichen der IT, entwickelt und gefertigt ohne geheime Abhörschnittstellen (rund 84 %).

Der Grund ist nachvollziehbar: Backdoors in IT-Produkten wurden von fast 85 % der Umfrageteilnehmer als konkrete Gefahr für die Digitale Souveränität angesehen. Gleichzeitig ist sich eine großen Mehrheit darin einig, dass die Digitale Souveränität eine wesentliche Voraussetzung für die erfolgreiche Digitalisierung von Produktionsprozessen (fast 81 %), Stichwort Industrie 4.0, und eine sichere Nutzung von Cloud-Diensten (fast 85 %) darstellt. Es steht also viel auf dem Spiel.

Ein umfassender Studienband mit Detailergebnissen und Grafiken steht als PDF-Datei zum Download zur Verfügung.

Quelle: DsiN-Blog

Publiziert am 17.08.2015